"Engagiert. Couragiert. Kontrovers" - so springt mir das Thema auf dem Flyer des vierten Filmfestivals ÜBERMUT der Aktion Mensch entgegen.
Dieses Festival findet derzeit in 100 deutschen Städten statt und es werden dort 10 Filme gezeigt, die alle die das gemeinsame Motto "Übermut" als gemeinsamen Nenner haben.
Nicht nur der Titel sondern auch das Logo vom "Übermut"-Festival der Aktion Mensch machte mich neugierig, mehr darüber zu lesen und so schlug ich den Prospekt auf, der das Film-Festival Programm vom 25. Nov. - 7. Dezember 2010 enthielt, wo mir gleich ein weißer fettgedrucker Titel mit roten Buchstaben ins Auge sprang: DEN MUTIGEN GEHÖRT DIE WELT.
Wer wird denn da wohl als mutig beschrieben, daß man 10 verschiedene Filme zum Thema zeigen will?
Ich entschied mich kurzerhand, einen der vorgeschlagenen Filme zu besuchen und entschied mich für "Rough Aunties", der eine Koproduktion von Doku-Filmacherin Kim Longionotto der Republik Südafrika und Großbritannien darstellt. Der Film behandelt das schwierigste Thema überhaupt, welches Menschen - in erster Linie Opfer und Helfer - während und nach einer Mißbrauchssituation behutsam zu beschreiben versucht, wobei letztere in diesem Falle die Kinder nahezu quasi verstummt sind und die Familienangehörigen meistens sich der Verantwortung durch wegsehen entziehen.
Die Regie dieser Dokumentation in Originalsprache (ZULU und Englisch) hat Kim Longionotto , diese mit Audiodeskription und Untertiteln versehen, und so wurde das Thema in 103 Minuten sehr ausführlich und überzeugend mit einfachsten Mitteln dokumentiert.
(Kim Longinotto (1952 geboren )[1] ist eine britische Dokumentarfilme-Macherin, die sich seit Jahrzehnten bereits einen Namen gemacht hat für Filme zu frauenspezifischen Themen sowie der Darstellung von Opfern von Diskriminierung und Gewalt.
Die Bilder der Menschen, die Originalsprache und die Reaktionen der Mitmenschen sprechen durchaus ihre eigene Sprache, sodaß die Untertitel von mir nur noch ergänzend wahrgenommen wurden. Selbst Sprechpausen, Motorengeräusche im Hintergrund werden für Hörgeschädigte schriftlich eingeblendet und bekommen so eine ganz eigene eigenartige Funktion.
Ich möchte wirklich jedem Menschen, welcher in Deutschland in irgendeiner Form mit dem Thema Mißbrauch von Kindern einmal zu tun hatte, sei es als Opfer, Angehöriger, Freund , nur empfehlen, sich diesen Film genannt "Rough Auntis" einmal anzuschauen, denn so eingehend, ehrlich und offen hat sich vielleicht selten ein Dokumentarfilmer dieses Themas angenommen. Der Film kommt fast ohne zusätzliche Erklärungen, Begründungen oder Hintergrundinformationen aus, doch vielleicht macht ja gerade die Einfachheit und die indirekte Darstellung der Gedanken von Kindern, ihre Zerbrechlichkeit und Einzigartigkeit bewusst.
Die ungeheuer eindrucksvollen Bilder der Kinder und freiwilligen Helfer in ihrem unermütlichen Einsatz sprechen eine deutlichere Sprache, als jede Übersetzung es jemals könnte. Die Menschlichkeit - die Herzlichkeit und Betroffenheit der Angehörigen der Hilfsorganisation Bobby Bear sind so offensichtlich, daß jeder Zuschauer in die Rolle von der Rolle des unbeteiligten Zuschauers in die Rolle des Eingeweihten, Wissenden geführt wird, so behutsam und so langsam, wie man dort mit den Kindern umgeht.
Deshalb sind diese 103 Minuten, die der Film dauert, nicht nur ein Plädoyer für die Langsamkeit, Genauigkeit, sondern können auch als eine Aufforderung verstanden werden, sich Zeit zu nehmen, über diese Dinge genauer nachzudenken, die sich in manchmal in unserer unmittelbaren Umgebung abspielen können, unbemerkt von anderen, und doch meistens für lebenslange Folgeschäden an unschuldigen Menschen verantwortlich sind.
Nach diesem Film wird kaum noch jemand daran zweifeln, daß diese Arbeit von Bobby Bear nicht nur sinnvoll, sondern auch den einzig gangbaren Weg darstellt, den alle Mitglieder einer Gesellschaft gehen müssen, um die Opfer "abzuholen" aus ihrer Isolation, ihrem Schweigen aus Verzweiflung und ihrer Ohnmacht.
Auf die Verstummung reagieren heißt Sprache ersetzen durch Bilder, Formen und in diesem Fall Teddy Bären, die den Namen der Hilfsorganisation tragen, Bobby Bear. Er könnte ebenso als Symbol dafür stehen, näher heranzugehen, die Distanz aufzugeben, um potentielle Täter vorher auszumachen, den eigenen Kindern die Zuneigung und den Respekt zu schenken, den sie als Geburtsrecht von Anfang an verdienen. Jedes Kind, welches geboren wird, verdient dies, damit sie gesund und selbstbewusst aufwachsen können.
Kinder, die sich bewusst sind, daß sie geliebt und respektiert werden, werden später als als Erwachsene wohl eher nicht den Drang verspüren, andere Kreaturen zu quälen, auszubeuten oder zu mißbrauchen.
Dieser bärenstarke Versuch von Bobby Bear , Kindern ihre Würde wieder zu geben, den Ohnmachtsgefühlen einer Gesellschaft Raum zu geben und durch Aufklärung und gemeinsamen Bemühungen, die Täter zu fassen und einer gerechten Bestrafung zuzuführen, können zwar nicht darüber hinwegtäuschen, daß es in Ländern wie Südafrika vielleicht erst nur ein Tropfen auf den heissen Stein sein kann, wenn man über diese Themen offen spricht.
Doch dass es in der Tat ein riesiger Stein des Anstosses sein muß, der eine Lawine auslösen sollte, nicht nur in Südafrika sondern weltweit, diese Hoffnung baut wohl auf der Tatsache, daß auch dort möglichst nach unserem mitteleuropäischen Vorbild Themen wie sexueller Mißbrauch an Kindern aus dem dunklen Tabu-Bereich jetzt offen diskutiert werden und die Täter öffentlich ans Tageslicht gezogen werden aus dem Bereich des heimlichen Verbrechens hervor, um ein Vergessen und Verharmlosen des Geschehenen zu verhindern.
Damit jetzt weltweit noch mehr alte verstaubte Hüte abgenommen werden können, brauchen wir Filme wie diesen, die die Diskussion anfachen. Die Menschen motivieren können, als Freiwillige dort auf dem afrikanischen Kontinent ihren Mann bzw. ihre Frau zu stehen im Namen der Menschlichkeit,
um derartige gesellschaftliche Probleme des Zusammenlebens aktiv lösen zu helfen.
Vielleicht ist es bisher nur wenigen Filmemachern so gut gelungen, anhand einer Dokumentation über eine Handvoll Opfer über die präkäre Lage stellvertretend von Millionen von Kindern weltweit zu berichten, ein Film über diese kleinen Menschen zu machen, die oft ohne Stimme im Abseits und dem Vergessen landen, gemieden und ausgestossen von allen.
Gerade deshalb spielen diese "bärenstarken Frauen, Männer und Kinder" nirgendswo so eine Vorreiterrolle wie vielleicht gerade in diesem Film, denn Worte allein genügen nicht im alltäglichen Kampf gegen Korruption, Dummheit, ungesunde destruktive Anteile an patriarchialischen Strukturen, Armut und Gleichgültigkeit, die nirgendwo so plastisch und wirklichkeitsnah uns vor Augen geführt werden können, wie in den dunklen Hütten, in denen sich die Täter des Nachts verkriechen.
Diese sich oft versteckenden Täter, auffindbar zu machen, eindeutig zu identifizieren und festzunehmen zu lassen, sind ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Bobby Bear.
Eine weitere auf den ersten Blick verborgene Absicht für diesen Film, könnte vielleicht auch noch in folgender Annahme liegen: Jeder, der diesen Film sich ansieht und über ihn spricht, vom Zuschauer quasi zum Augenzeugen wird und sich unmerklich in eine andere Rolle schlüpfen fühlen kann, vom Zuschauer zum Beschützer, teils aus Sympatie zu den Mitarbeitern von Bobby Bear, zum großen Teil aber auch aus reinem Mitgefühl zu den Kindern selbst, denn die Ohnmacht, Verzweiflung, Wut und Trauer aus den Augen der Kinder zu spüren,
wird nur unverbesserliche Pessimisten und Zyniker kaltlassen.
Wer jetzt immer noch glaubt, die Menschheit bräuchte sich derartigen Mißständen nicht nur zu stellen, da Südafrika so weit weg ist, daß es uns nichts angeht, der sollte einmal über seinen eigenen Platz in unserer Gesellschaft nachdenken, über seinen Platz in der Ursprungsfamilie und
über seine eigenen Kinder.
Die Neugestaltung der südafrikanischen Gesellschaft fängt eben nicht nur in den Köpfe der Mächtigen eines Landes an, sondern in den Keimzellen dieser Gesellschaft, in den Familien. Nur wer das Denken in den Familien verändert, kann auch letztendlich die Gesellschaft in ihrem gesamtgesellschaftlichen Kontext verändern.
Darum kann auch nur in den Familien selbst die Grundlagen dafür geschaffen werden, daß HIV, Armut und Gewalt dort an den Wurzeln gepackt und verändert werden können durch positive Beispiele, durch veränderte Überzeugungen und nicht zuletzt durch die freiwilligen Helfer von Hilforganisationen vor Ort.
Das gilt umso mehr, wenn Polizei und Gesetzgeber meistens allein mit der Umsetzung von neuen Ideen noch überfordert sind, wenn niemand sich so recht vorstellen kann, was es eigentlich heißt, Kindern die Stimme wieder zu geben.
Dann können Filme wie dieser nicht nur Landesgrenzen sondern auch Grenzen in den Köpfen der Menschen überschreiten helfen, damit die Würde von Kindern nicht nur gewahrt bleibt, sondern auch ein Unrechtsbewusstsein geschaffen wird, dass häusliche Gewalt eben kein Kavaliersdelikt sein kann, sondern ein Problem, an dessen Lösung die Gesellschaft gemeinsam zu arbeiten aufgerufen ist.
Helfen Sie mit, aus diesen Kindern mündige und mutige Bürger zu machen, statt sie zu stummen Opfern degradieren zu lassen
Bilden auch Sie ein bärenstarkes Team gegen die Dummheit, Ignoranz und Gleichgültigkeit auf unserem Planeten, denn was in Südafrika passiert, geht auch uns etwas an, ebenso wie wir mutig bei uns über die Männer in Priestergewändern reden und diese ins Licht der Öffentlichkeit gestellt haben, können wir dabei helfen, mehr Licht in der Öffentlichkeit nicht nur in bei uns sondern auch auf dem Schwarzen Kontinent in dunkle Hütten zu werfen, daß das Leid der Kinder, hervorgerufen durch das Gefühl von Angst, Ohnmacht und das Wegsehen der Erwachsenen jetzt mutig ersetzt werden kann durch das Schenken von Hoffnung, Mitgefühl und Respekt, als Ausdruck des Grundrechtes von Menschenwürde, die niemals verloren gehen kann, solange Menschen miteinander füreinander da sind, sich helfen, trösten und Misstände bekämpfen.
Die Befreiung fängt nicht zuletzt in unseren Köpfen an, denn wir wissen vielleicht mehr von der Bedeutung der Zusammenhänge, wie es zu Mißbrauch überhaupt kommt. Und wir können dadurch auch unser Wissen weitergeben an andere, nicht zuletzt durch das Drehen und Zeigen derartiger Filme und der Mitarbeit an Projekten wie sie durch dieses Filmfestival aufgerufen worden sind, sich der vorgestellten Themen anzunehmen.
Solidarisches Handeln fängt im Kleinen an und wird auch im Falle von offenen Grenzen eben nicht vor Ländergrenzen und anderen Kulturen stoppen, wie im Fall Südafrika, wo nicht nur die Sport- und Fußball Community sich ein Bild über das neue Südafrika machen konnte während der WM 2010. Denn neben Vuvuzelas hat das Land offenbar weitaus mehr zu bieten, neben den gezeigten Fußballstadien, davon hat sich die Menschheit auf allen Erdteilen weltweit über die Fernsehschirme und Computer Monitore ausführlich überzeugen können.
Zusammenfassend läßt sich sagen: In diesem Film geht es mehr um die Arbeit der Menschen selbst vor Ort, als um "das große Geschäft", wie eine Fußball WM eben auch gesehen werden kann, doch die Finanzierung eines Projektes ist zwar das A&O, um die Arbeit von Hilfsorganisationen überhaupt erst möglch zu machen (im Falle von Bobby Bear sind Raumkosten, Geld für Benzin sowie Telefonkosten ebenso wichtig wie der Kauf von Teddybären, Malstiften und Pflastern zu finanzieren, die als Stellvertretersymbole unabdingbar sind, um tramatisierte Kinder wieder zum Reden zu bringen).
Wie bei der WM in Südafrika ein Fußball als Symbol für die meisten Menschen dafür galt, daß Menschen in ihrer Freizeit gemeinsam mit anderen Menschen Spaß haben und spielerischer miteinander umzugehen lernen sollen, neben der sportlichen Leistung der einzelnen Spieler, so dient hier der bunte Bobby Baer für etwas, welches der Film behutsam an die Oberfläche zu versuchen bringt.
Die Kommunikation und den Austausch von Informationen zwischen Opfern, Tätern, Familienmitgliedern und Beamten überhaupt erst möglich zu machen als Basis dafür, daß neues Bewusstsein nicht nur unbedingt nötig ist, sondern mit so einfach Mitteln bereits am Entstehen ist, wobei die ersten Erfolge bereits sichtbar gemacht wurden im Film, als Täter eben nicht mehr automatisch gedeckt wurden von Angehörigen, sondern eine Auslieferung an die Behörden ausdrücklich gefordert wurde.
Eins sollte uns allen klar werden, wenn wir diesen Film ansehen. Für die betroffenen Kinder, die Mißbrauchsopfer wird der Spaß am Spiel bis auf Weiteres vergehen, vielleicht sogar bis an ihr Lebensende, solange die Erwachsenen wegsehen, die zulassen, daß Täter freigelassen werden, von korrupten Beamten gedeckt werden oder gar noch versteckt und geschützt werden. Doch eine Gesellschaft, die das Spielen der Kinder durch ihre eigene ignorante Haltung verhindert, ist selbst eine kranke, wenn nicht sogar zum Scheitern verurteilte tote Gesellschaft. Und deshalb wurde wahrscheinlich ganz bewußt, dieses Symbol des Teddybären gewählt.
Denn kaum etwas anderes könnte wohl besser ein Spielzeug bzw. einen symbolischen Freund der Kinder verkörpern als so ein bunter Teddybär.
Ja,Teddybären sind ja in erster Linie für Kinder (und nicht für Erwachsene) gemacht, sie hören immer zu, machen alles mit und sind in der Lage, das Unaussprechliche auszudrücken, welches eine Kinderseele hindern könnte, sich jemals des Schmerzes der Demütigung entledigen zu können, wäre da nicht jemand, dem man sich bedingungslos anvertrauen kann.
Deshalb hat die Hilfsorganisation Bobby Bear sich auch vielleicht dieses Spielzeugs als "Hilfsmittel" ausgesucht, um Kindern die Sprache wiederzugeben, denn nur im Spiel schaffen sie es wohl, sich so auszudrücken, damit wir Erwachsene von den Kindern lernen, zu welchen ungeheuerlichen Taten Erwachsene den kleinen Menschen gegenüber fähig waren, nachdem sie sich vertrauensvoll in deren Obhut sicher fühlten.
Mir persönlich hat der Film die Augen dahingehend geöffnet, daß ich eine neue Perspektive auf die Zusammenhänge bekommen habe, warum Kindern es schwer fällt überhaupt über diese Dinge reden zu wollen.
Wenn wir begreifen, daß die Welt ein "riesengroßer Spielplatz" sein könnte, der allen Beteiligten das Spiel ermöglichen soll, dann können wir auch loslassen von unseren Ansprüchen, immer aus allen Dingen und Vorkommnissen einen Todeskampf und ein Drama zu machen, welches nur dazu dienen könnte, weitere Dramen nach sich zu ziehen, denn vielleicht dienen die ganzen Hollywood-Filme und Krimis, die Feierabendserien im Fernsehen über den pausenlosen Einsatz von Polizisten vielleicht nur dazu, um uns oberflächlich zu beruhigen?
Beim mir wächst langsam der Verdacht, daß wir nur in dem Glauben gelassen werden sollen, daß wir uns "sicher" fühlen sollen, denn die Polizei sorge ja weiterhin für Ordnung in unserem Lande, solange wir genügend Steuern dafür bezahlen. Das das aber nicht der Fall ist, davon zeugen die fast täglchen Berichte von mißhandelten oder totgequälten Kindern allein in unserem Land.
Vielleicht ist es uns noch zu wenig bewußt, dass eben nicht die Behörden allein oder die Polizei die Probleme in den Griff bekommen kann (was erst recht nicht in Südafrika der Fall ist).
Dass wir aber eigentlich als mitverantworltliche Bürger unserer Gesellschaft diejenigen sind, die die Werte in unserer Gesellschaftsordnung nicht nur aufstellt sondern auch zu schützen bereit sein sollte, das vergessen wir leider nur allzu oft.
Mitverantwortliches Handeln könnte sich z.B. auch darin äußern, daß wir gezielt mit unseren Kindern über das reale Leid auf unserem Planeten reden, aber nicht dadurch, daß wir Kinder alleine vor den Bildschirmen sitzen lassen, damit sie in gewalt- und sexverherrlichenden Filmen und von vorn herein lernen, wie Erwachsene im Alltag miteinander umgehen.
Warum zeigt man uns eigentlich so oft diese Filme, in denen Menschen dazu verdammt zu sein scheinen, andere Menschen auszubeuten, zu demütigen, zu missbrauchen, foltern oder gar zu töten?
Warum zeigt man nicht viel öfter Filme darüber, wie wertvoll eigentlich das Leuchten in den Kinderaugen ist, wenn sie von den Erwachsenen etwas anderes lernen können, was eine wirklich lebenswerte Gemeinschaft ausmacht? Das Miteinander Teilen, Spielen, Tanzen und Lachen? Gemeinsam Ziele erreichen und den Einzelnen stärker zu machen? Ist nicht nur dann überhaupt das befreiende Gefühl zu erfahren, ein Teil des großen Ganzen zu sein, wenn jeder einzelne sich geliebt und respektiert fühlen darf? Wenn er gefahrlos seine eigenen Gefühle auszudrücken lernt (und in der Schule nicht nur Hollywood Actionhelden zu imitieren angeregt wird)? Oft völlig unbeachtet unbeachtet von Lehrern und Eltern?
Wie wunderbar mag ein Kind sich fühlen, welches trotz aller Tragik in der Welt gesagt bekommt, es wäre nicht seine Schuld, wenn Erwachsene Dinge tun, die unrecht sind? Wenn es in den Arm genommen wird von den Menschen in seiner Umgebung? Wenn es selbst sich gut dabei fühlen darf, einen einfachen Teddy Bär wieder in den Arm schliessenzu dürfen und nicht fürchten muß, ausgelacht zu werden?
Lieber jetzt zu handeln anstatt abzuwarten ist manchmal die geeignetere Form um Schlimmeres zu vermeiden. Jetzt lernen besser hinzuhören, hinzusehen und vorausschauend die Dinge wahrzunehmen kann helfen, nicht nur Kinderseelen zu retten, denn Heimlichkeiten sind nur dann gefährlich, wenn sie im Verborgenen stattfinden. Je offener wir lernen, über diese Dinge zu reden, umso leichter können die Tabus gebrochen werden, daß Kinder sich schuldig fühlen für die Unterlassungen und Fehler oder schwereren Vergehen von Erwachsenen.
Da die Täter mitten unter uns wohnen, auch in Südafrika ist das nicht anders, nutzen die Täter häufig das Vertrauensverhältnis zu den Kindern aus, welches sie bereits jahrelang aufgebaut haben. Wenn Kinder aber rechtzeitig lernen, sich nicht einschüchtern zu lassen, auf ihre Gefühle zu achten lernen und mutig andere Erwachsene um Hilfe bitten, wenn ihnen etwas "komisch" oder "fremd" vorkommt, dann könnte so mancher Mißbrauch in den Familien rechtzeitig vermieden werden.
In Südafrika scheint das Wegsehen wollen immer noch die Norm zu sein, was sehr bedauerlich ist, doch ein Umdenkungsprozess findet auch dort langsam statt, wenn solche Organisationen wie Bobby Bear in unermüdlichen Einsätzen Tag und Nacht, Menschen aufklären über ihre Pflichten, Kinder zu schützen und dabei Auskünfte geben über die Täter, und dabei aktiv beteiligt sind, diese jederzeit aufzuspüren und in den Polizeigewahrsam zu übergeben.
Daß der Bewusstseinsprozess, der in Deutschland vielleicht etwas länger in Gange ist, auch dort in den Großstädten Südafrikas langsam voranschreitet, überhaupt erst die Grundlage dafür schaffen kann, daß auch die Werte der Erwachsenen die Grund-Überzeugungen der Kinder so sehr beeinflussen und sich nur langsam ändern dürfen. Dann erst lernen mehr Menschen, daß Frauen und Männer woanders schon wenigstens vom Gesetz her die gleichen Rechte haben und dass die Stellung des Kindes in der afrikanischen Familie grundsätzlich zwar eine andere ist, diese aber schon dahingehend aufgewertet und verändert werden kann, dass man Kindern das Recht auf körperliche und emotionale Unversehrtheit ebenso selbstverständlich gewähren sollte, wie das Recht auf Bildung und Chancengleichheit, wenn Südafrika als moderner Staat den Anschluß an die neue Welt nicht länger verpassen will.
Diese starken Frauen von Bobby Bear (männliche Freiwillige tun bei Bobby Bear natürlich ebenso ihren Dienst) haben bereits vor Jahrzehnten dafür die Voraussetzungen geschaffen, daß selbst Geisseln wie die Apartheidspolitik nach Jahrhunderten abgestreift werden konnten. Der Kampfgeist der mutigen Frauen ist in Südafrika schon damals zur Legende bei der Überwindung der Apartheid geworden.
Von uns Europäern kann heute zumindestens das Wissen über die Bedeutung von Erziehung bei der Bewusstseinsbildung mit eingebracht werden.
Denn wir ahnten bereits schon vor einigen Jahrzehnten, daß wie wir heute unsere Kinder erziehen, dies schon morgen den Ausschlag dafür geben kann, wie und ob unsere Kinder in Zukunft ihre Welt wahrnehmen, als einen "Ort der Kälte und des Alleinseins" oder einem "hellen Ort des Miteinanders und des gesunden Wachstums, der Wärme und Menschlichkeit".
Wie weit sind Sie bereit, das Leben Ihres eigenen Kindes zu retten? Und wann sind Sie bereit damit zu beginnen, eine hellen freundlicheren Orte für "bärenstarke Kinder" auch in den Armenvierteln der Republik Südafrika zu schaffen? Mit Teddy-Bären, warmherzigen Müttern und Helfern, die man am Besten motivieren kann, wenn man ihnen für Ihre emotional schwere Arbeit, auch die Anerkennung zollt, die sie verdienen - für ihren MUT, ihre Couragiertheit und hr Engagement?
Damit das Leuchten in den Augen der Kinder dort wieder häufiger wird...dort in Hütten und Elendsquartieren der Armen abgesondert durch hohe Mauern von den Häusern und Villenvierteln der Reichen und Ausländern.
Dort wo das fröhliche Lachen der Kinder und Menschen vielleicht das wichtigste Kapital dieses faszinierenden Landes ist, nicht nur während der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika, welches vielen Menschen in Erinnerung geblieben ist, neben dem reinen Spaß am Sport und den Besuch der großen Arenen.
Eher gedankensportlich gesehen, steht zwar noch die größte Herausforderung in Südafrika bevor, was die Schaffung einer neuen diskriminierungs- und gewaltfreien Gesellschaft angeht, doch je mehr Menschen sich im Namen eines gemeinsamen Ziels zusammen tun, um so schneller und effektiver kann diese neue Gesellschaft funktionieren.
Die Chancengleichheit für alle ist schon ein erklärtes Ziel der südafrikanischen Regierung. Darum ist es ganz natürlich, diese ebenso für die kleinste Einheit einer gesellschaftlichen Zelle, nämlich in den Familien die Förderung der Individualität, durch Schaffung neuer Werte und Normen zu fordern.
Wer hier die Stellung der Schwächsten, der Kinder bereit ist zu fördern, zeigt
seine Mitverantwortung nicht nur im Kampf gegen Korruption, Gewalt und Mißbrauch, sondern schon im Kleinen dadurch, daß er die Mitarbeiter von Bobby Bear dabei unterstützt, in den Familien offen die Themen anzusprechen, die Ursachen aufzudecken für den Mißbrauch und die Umstände beseitigen, wie wegsehen, weghören und Ignoranz.
Wenn in Deutschland der Wahlspruch gilt: "Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter". Wie sehr mag dies erst gelten in südafrikanischen Familien? Das ist mir erst so bewusst geworden beim Anschauen dieses Films, der uns zu Zeugen werden lässt, warum das tödliche Schweigen dort immer noch vorherrscht.
Wie wichtig ist es gerade dort, auf der südlichen Halbkugel, wie die Spirale aus Unwissenheit, Armut und veralteten Herrschaftsstrukturen ein idealer Keimboden ist, um Kinder in einer Atmosphäre aufwachsen zu sehen, die sie selbst nur zu stummen Angeklagten degradiert und die Täter allenfalls zu Helden?
Wie spektakular scheint es gerade dort zu sein, wenn einfache Frauen, die ganz normale Mütter oder Marktfrauen sind, sich offen dazu bekennen? In einer Gesellschaft, die tief in patriachalischen Werten verwurzelt ist, sich zum Ziel zu machen, die Täter ans Tageslicht zu bringen und diese anzuprangern?
Wieviel Mut und Enttäuschung mögen wohl dazu geführt haben, daß eben sogar Frauen und Geschwister in der Familie in vielen Fällen als mitverantwortlich identifiziert werden, wenn sie, wie in einem Fall, den Großvater zu decken versuchen, der seine Enkeltochter mehrmals mißbraucht hat?
Und ein Ruf möge uns dabei immer daran erinnern, was die Befreiung aus der Knechtschaft für die Menschen dort eigentlich seit Jahrzehnten immer noch symbolisiert:
"Amandla" - damit dieser Ruf als Ausdruck für die Befreiung auch für die Besiegung der inneren Feinde, der antiquierten Überzeugungen, die automatisch von den Familienmitgliedern von Generation zu Generation weitergegeben werden, die Familienstrukturen und die Normen, die solche Dinge wie Kindesmißbrauch als "normal" erscheinen lassen wollen.
Niemals dürfen wir es zulassen, daß ein Verbrechen, das noch viel schwärzer ist, als das Gesicht eines Afrikaners, nämlich Kinder zum Schweigen zu zwingen und zu Opfern zu machen! Denn je eher das Schweigen gebrochen wird, umso eher kann Helligkeit, Wärme und Freude wieder in die Häuser und Hütten der Menschen einkehren, und von uns nicht viel mehr erfordert als ÜBERMUT, Engagement und Entschlossenheit, die Eigenschaften, die wir damals der afrikanischen Urbevölkerung am ehesten zugeschrieben haben.
Laß uns voneinander lernen. Lasst uns miteinander kämpfen. Lasst uns Worte der Aufklärung und der Selbstbestimmung reden und neue Filme in den Köpfen der Menschen abspielen lassen!!!
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